Der Stein der aus der Tiefe kommt
Vor mehr als 400 Millionen Jahren, als die Erdkruste der Taunusregion schon längst erkaltet war, wurde der Untergrund wieder aktiv: einzelne Vulkane durchbrachen die harte Schicht und förderten aus der Tiefe Lava an die Oberfläche. Die Lava war reich an Quartz und Feldspat, was für Mineralogen bezeichnend ist für sogenannten Quartzkeratophyr. Dieser ursprüngliche Quartzporphyr wurde nachträglich – letztendlich bei der Heraushebung des südlichen Rheinischen Schiefergebirges zu einem Hochgebirge – gepreßt, erhitzt und aufgeschmolzen, um anschließend als Gneis auszukristallisieren. Dabei sonderte die feldspatreiche Grundmasse ein Glimmer-Material ab, den sogenannten Serizit. Die glänzenden kleinen Serezit-Schüppchen aus den durch die Umschmelzung glasartig glatten Oberflächen des grünen schiefrigen Gesteins verleihen dem heute vorliegenden „Serizit-Gneis“ seine charakteristische, samtig glänzende Schönheit.
Mit der Umschmelzung gingen auch die Indizien für eine genaue Altersdatierung der ursprünglichen Lavaausbrüche verloren. Die geologischen Lagerungsverhältnisse des 3 km breiten und 50 km langen Vorkommens im Vergleich zu jüngeren datierbaren Taunus-Schichten lassen aber darauf schließen, daß der Serizit-Gneis von Fischbach zu den ältesten Gesteinen des Rheinischen Schiefergebirges zählt.
Historischer und geologischer Überblick zum Natursteinwerk Fischbach und dem Serizit-Gneis
Geologische Herkunft
Der Serizit-Gneis aus dem Steinbruch in Fischbach im Taunus entstand vor über 400 Millionen Jahren durch vulkanische Aktivität. Die damaligen Lavamassen wurden über geologische Zeiträume hinweg unter hohem Druck und hoher Temperatur umgewandelt – ein Prozess, der zur Ausbildung des heutigen Gneises führte. Charakteristisch für dieses Gestein sind feine Glimmerplättchen (Serizit), die dem Stein seinen seidig-matten Glanz und seine grünlich-graue Farbe verleihen. Es zählt zu den ältesten Gesteinen des Rheinischen Schiefergebirges.
Frühe Nutzung
Schon zur Römerzeit wurde der Fischbacher Serizit-Gneis als Baumaterial genutzt. Ein bekanntes Beispiel ist die Saalburg, ein rekonstruiertes römisches Kastell im Taunus, bei deren Bau der Gneis in großem Umfang verarbeitet wurde. Auch im Mittelalter und in der frühen Neuzeit fand der Stein als regional verfügbares Baumaterial vielfach Verwendung – etwa für Mauern, Gehöfte und Sakralbauten.
Rückgang und Wiederaufnahme
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts nahm die Bedeutung des Serizit-Gneises für den kommerziellen Steinabbau ab. Der Steinbruch wurde nur noch sporadisch für kleine regionale Bauprojekte genutzt. Erst mit der Wiederbelebung des Abbaus durch die heutige Firma Wirtz wurde der Standort technisch modernisiert und die industrielle Verarbeitung wieder aufgenommen. Dies markierte den Übergang von handwerklich geprägtem Kleinabbau hin zu einem wirtschaftlich tragfähigen, professionellen Natursteinbetrieb.
Aktueller Stand
Die Lagerstätte gilt als geologisch besonders wertvoll, da vergleichbare Gesteine in Europa nur noch in wenigen Regionen vorkommen, etwa auf Elba oder in Teilen der Schweiz. Durch moderne Technik und innovative Gestaltungskonzepte – darunter auch künstlerische Projekte – erfährt der Stein derzeit eine neue Bedeutung in Architektur, Landschaftsbau und Objektgestaltung.
Regionale Bedeutung
Der Serizit-Gneis ist nicht nur ein wirtschaftlicher Rohstoff, sondern auch ein geologisches Kulturgut der Taunusregion. Er steht exemplarisch für die geologische Vielfalt des Vordertaunus mit seinen metamorphen und vulkanischen Gesteinen. Die Kombination aus traditioneller Verwendung und aktueller Aufwertung macht ihn zu einem Bindeglied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Bauens mit Naturstein.